Frau mit Nackenschmerzen

Myofasziales Syndrom – Triggerpunkte

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Viele akute und chronische Schmerzen des Bewegungssystems haben ihren Ursprung in der Muskulatur und werden durch myofasziale Triggerpunkte (mTrP) verursacht (Travell u. Simons 2002, Dejung 2006). MTrPs gehören zu den wissenschaftlich gut erforschten Phänomenen im Bereich der neuromuskuloskelettalen Medizin.

MTrPs entstehen durch Überlastung oder traumatische Überdehnung der Muskulatur. In der Folge bilden sich im Muskel oftmals Zonen, die mit Sauerstoff unterversorgt sind – s.g. Hypoxie. Zu wenig Sauerstoff führt zu einem Mangel an ATP (Adenosintriphosphat). Infolge des ATP-Mangels können sich in diesen Gebieten die Myosin- und Aktinfilamente nicht mehr voneinander lösen – s.g. Rigorkomplex. Diese „erkrankten“ Muskelstellen sind als Triggerpunkte tastbar – durch Provokation mittels Druck wird ein Schmerz ausgelöst, der oft in andere Körperregionen übertragen wird – s.g. Referred Pain. Aber nicht nur Schmerzen, sondern auch Muskelschwächen, Bewegungseinschränkungen oder propriozeptive Störungen mit Beeinträchtigung der Koordination können durch Triggerpunkte verursacht werden.

Die Summe aller durch aktive Triggerpunkte ausgelösten Symptome, wird als „Myofasziales Syndrom“ bezeichnet.

Abhängig vom Aktivitätszustand der MTrP unterscheidet man aktive und latente Triggerpunkte (TrP). Als aktiver Triggerpunkt wird ein übererregbarer Punkt im Muskel bezeichnet, welcher in Ruhe und/oder bei physiologischer Belastung schmerzt. Provoziert man einen aktiven TrP mechanisch mittels Druck, Dehnung oder Nadelung wird das bekannte Schmerzmuster (lokal oder ausstrahlend) reproduziert. Ein latenter Triggerpunkt löst keine spontanen Schmerzen aus und schmerzt nur beim Palpieren. Ein latenter myofaszialer Triggerpunkt kann alle klinischen Eigenschaften eines aktiven TrP aufweisen, jedoch mit einer Ausnahme: die Reproduktion der aktuellen Schmerzen ist über den latenten Triggerpunkt nicht möglich.

Ein Beispiel für die Triggerpunkte und deren Schmerz-Ausstrahlung im Muskel Sternocleidomastoideus:

Sternocleidomastoideus_1

Dieser Muskel weist sehr häufig Triggerpunkte auf. Mögliche Symptome:

  • Kopf und Gesichtsschmerzen
  • Stirnkopfschmerzen, Ohrenschmerzen, Lagerungsschwindel und Gleichgewichtstörungen aufgrund einer gestörten Propriozeption und gestörter räumlicher Orientierung.

Typische auslösende Faktoren sind:

  • Kopfprotraktion, leicht zur Seite gedrehter Kopf vor dem Fernseher, am Arbeitsplatz oder während eines Gesprächs
  • Skoliose, Beinlängendifferenzen oder einseitige Belastung (z.B. beim Aufschlag im Tennis)
  • Arbeiten, bei denen der Muskel exzentrisch überlastet wird (z.B. Arbeiten über Kopf, Aufhängen von Vorhängen)
  • Überlastung des Muskels in einer Funktion als Atemhilfsmuskel
  • Distorsionstrauma der HWS

Je nach Art und Zeit der Entstehung eines TrP spricht man von primären und sekundären TrP sowie von Satelliten-TrP. Ein myofaszialer TrP, der durch akute oder chronische Überlastung oder durch übermäßigen Gebrauch des betroffenen Muskels und nicht als Folge einer Triggerpunktaktivität in einem anderen Muskel aktiviert wurde, wird primärer Triggerpunkt genannt. Triggerpunkte, die sich in Antagonisten und/oder Synergisten eines vom primären TrP betroffenen Muskels sekundär entwickelt haben, werden als sekundäre Triggerpunkte bezeichnet. Sekundäre TrP entstehen durch Überlastung, weil der Muskel entweder als Synergist den vom primären TrP betroffenen Muskel übermäßig unterstützt, oder als Antagonist dessen Spannung entgegenwirken muss. Triggerpunkte, die sich in der refered-pain (Übertragungsschmerz) – Zone eines primären TrP gebildet haben, werden als Satellite Triggerpunkte bezeichnet. Diese Triggerpunkte werden durch die TrP – Aktivität in einem anderen Muskel verursacht un somit ein Beispiel für assoziierte Triggerpunkte.

Der Preis der Unwissenheit  

Travell & Simons sind der Auffassung, dass Triggerpunkte die Hauptursache für Schmerz sind und dass die meisten Menschen völlig unnötigerweise unter Schmerzen leiden, weil leider noch zu wenige Ärzte über diesem Sachverhalt informiert sind. Obwohl viele Ärzte sich dagegen wehren, etwas zu lernen, dass in ihren Augen nichts weiter als eine neue Theorie über Schmerz ist, sind Triggerpunkte tatsächlich keine neue „Erfindung“. Travell & Simons stellten im Rahmen einer umfassenden Literaturrecherche fest, dass über die knotenartige Beschaffenheit von Triggerpunkten bereits seit über 150 Jahren geschrieben wird. Dass diese Knoten Schmerz in völlig anderen Körperbereichen erzeugen können als denen, wo sie sich befinden, war schon 1938 bekannt. Janet Travell benutzte den Begriff „Triggerpunkt“ erstmals 1942 in einer Publikation (1999/2002, 17f).

Es gibt durchaus Gründe für die Annahme, dass die alten chinesischen Systeme therapeutischer Berührung, die uns heute in Form der Akupressur und verwandter Verfahren bekannt sind, erste Versuche waren, das Phänomen zu erklären, welches wir heute als Triggerpunkte bezeichnen. Wahrscheinlich beschäftigen sich Menschen schon seit vielen Tausenden von Jahren mit Triggerpunkten, indem sie einander den Rücken und den Nacken massieren. Massage zwecks Schmerzlinderung durch Einwirken auf die „Knoten“ in Muskeln ist in den USA seit fast hundert Jahren ein anerkannter Beruf.

Triggerpunkte sind erstaunlich verbreitet. Travell & Simons bezeichnen sie, ohne zu übertreiben, als „Geißel der Menschheit“ (1999/2002, 14f). Durch Triggerpunkte verursachter Schmerz könnte die größte Ursache für Krankheiten und Zeitverlust am Arbeitsplatz, in jedem Profi- und Amateursport und auch ganz allgemein in jedem Haushalt sein – überall, wo Menschen irgendeine Aktivität häufig zu lange und zu intensiv ausüben.

FAZIT:

Manchmal ist es sehr schwer, Triggerpunkte loszuwerden, weil sie nach erfolgreicher Deaktivierung sofort wieder zurückkehren. Der Einfluss perpetuierender Faktoren auf muskelfaserbedingten Schmerz wird stark unterschätzt, und zwar nicht nur von den Leidenden selbst, sondern auch von vielen Therapeuten.

  • Physische Faktoren (Haltungsbelastung, schlechte Gewohnheiten am Arbeitsplatz, wiederholte Überlastung und Mangel an Körperhaltung). Wenn Muskeln sich nicht bewegen oder inaktiv bleiben, werden sie steif und schwach. Wenn Sie Ihr Leben vorwiegend im Sitzen verbringen, so sichern Sie dadurch den Fortbestand von Triggerpunkten. Muskeln müssen arbeiten, um gesund zu bleiben.
  • Mangel an bestimmten Vitaminen (B1, B6, B12, C und Folsäure) oder Mineralien (Kalzium, Magnesium und Kalium). Das Problem ist oft nicht die zu geringe Aufnahme von Vitaminen und Mineralien, sondern der Konsum von Stoffen, durch die erstere ausgeschieden werden. Rauchen zerstört Vitamin C. Übermäßiger Wasserkonsum kann B-Vitamine ausschwemmen. Alkohol, Magensäurebinder und Tannin im Tee beeinträchtigen die Aufnahme von Vitamin B1.
  • Stoffwechselstörungen
  • Psychische Faktoren (Anspannung, Angst und alltägliche Nervosität – wenn Muskeln ständig angespannt sind, können sie sich nicht erholen)
  • Andere Faktoren (z.B. chronischer Schlafmangel, Infektionen usw.)

Ein sachdienlicher Umgang mit diesen Faktoren entscheidet oft über Erfolg oder Misserfolg einer Behandlung sowie darüber, ob deren positive Auswirkungen von Dauer sein werden.

 
Wojtek

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